8. Dezember 2007

 

 

 

 

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Meta nahm die Hände vom Gesicht, lauschte in die einfallende Dunkelheit. Sie wollte nicht noch einen des Klans verlieren. Hersin machte ihr große Sorgen, er war so ungestüm und sein Sohn Aaron kam ganz nach ihm.

Es klopfte, Anna, Herins Frau, stürzte mit angstbleichem Gesicht zur Tür herein. „Meta! Aaron ist verschwunden! Und die Männer sind alle draußen, bitte hilf mir, meinen Jungen zu finden. Meta erhob sich, plötzlich tat ihr nichts mehr weh, die Aufregung erhitzte ihren Leib. Sie griff nach ihrem Schultertuch, entzündete das Windlicht und folgte Anna in die Nacht.

Sarah blickte vom Buch auf und starrte ins Kaminfeuer.

Die Autorin musste die Rachel von damals sein, schließlich stand ja „Romanbiografie" auf dem Einband. Sie war damals allein von der Tour halb erfroren zurückgekehrt.

„Ich habe ihn verloren", weinte sie, „wenn er nicht auf der anderen Seite des Gipfels den Abstieg geschafft hat, ist er wohl tot."

Der Trupp, der sogleich aufstieg, fand seine Leiche nicht. Aber Aaron kehrte auch nicht ins Dorf zurück. Sarah hatte alles vor Augen, als wäre es gestern erst gewesen. Und nun erinnerte sie sich auch wieder an Meta. Meta, die Dorfälteste, Aaron war ihr Urgroßneffe gewesen. Ob sie noch lebte? Nein, das konnte nicht sein, sie war doch schon vor zwanzig Jahren uralt gewesen. Sarah seufzte. Es war schwer zu glauben, dass Aaron nicht mehr am Leben war.

Noch einmal sah sie das Edelweiß an, die Zeilen. Wütend pfefferte sie das Buch in die Zimmerecke. Da erlaubte sich jemand einen schlechten Scherz mit ihr! Oder war sie auf dem Weg, verrückt zu werden? Sie vergrub das Gesicht in den Händen und weinte hemmungslos eine lange Zeit. Je leerer Sarah wurde, desto stärker stieg eine Idee an die Oberfläche. Was, wenn sie ins Dorf reiste, um sich zu überzeugen, dass Aaron wirklich nicht mehr dort war? Der Gedanke beflügelte sie. Gleich Morgen würde sie ein Reisebüro aufsuchen, einen Flug buchen. Gewiss fürchtete sie die mühselige Weiterreise im Klapperbus vom Flughafen weg, aber die Neugier siegte. Die Nachricht war doch ein Zeichen! Ihr Herz klopfte, als sie das Buch wieder aufhob, es streichelte und sanft auf den Tisch zurücklegte.

Am nächsten Tag frühstückte sie schnell und ging ins Reisebüro. Die Angestellte blickte verwundert auf. „Das ist nicht gerade die beste Jahreszeit, eine unwirtliche Gegend, die leben ja wie im Mittelalter dort."

„Jaja", sagte Sarah ungeduldig", gibt es nun einen Flug?"

Es gab keine direkte Verbindung, Sarah musste eine Zwischenlandung in Kauf nehmen. Aber sie hatte das Ticket in der Tasche. Morgen würde es losgehen.

  ..9.12..

© Elsa Rieger

 
 

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  Stand: 08.12.2007