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"Kapitel 1"

Evelyn Sperber

- Leseprobe aus: "Die Nacht der kichernden Katzen" -

 

 

...

Hinter ihr, leise, immer noch der Klang der fremden Schritte. Der Nebel lichtete sich ein wenig, grauweiße Schleier hingen wie schlaffe Gespenster in der Luft. Sie fühlte die Kälte in den Zehen, streifte die Pumps wieder über, schaute nach hinten, sah einen Schatten. Rechts vor ihr lag das Polizeirevier. Hinter den Fenstern der Wachstube brannte Licht. Ob sie hineingehen und denen sagen sollte, dass sie verfolgt wurde? Sie zögerte, lief dann weiter. Die würden sie für hysterisch halten. Sie bog vor dem Polizeirevier rechts ab. Zum Wald stieg die Straße an. Das bremste die Schritte. Gut die Hälfte der Strecke hatte sie jetzt hinter sich. Ein Gedicht kam ihr in den Sinn. Schaurig, im Nebel zu wandern. Jetzt begriff sie das Grauen. Sie hörte die Schritte hinter sich. In ihrem Kopf wuchs die Angst. Zeitungsmeldungen von Sexualmördern projizierten Schreckensbilder in ihre Gedanken. Sie lief weiter, gehetzt von Horrorvisionen. Sie bekam kaum noch Luft. Ihre Schritte verlangsamten sich. Im Laufen schaute sie ab und zu nach hinten. Kaum hörbar drang der Klang der Schritte zu ihr.

Wie von einem leichten Luftzug getrieben, schwebten die Nebelgeister hoch. Nur noch wenige Meter bis zum Wingertpädel. Bevor sie links in ihre Straße einbog, schaute sie sich noch einmal um. Jetzt sah sie die Gestalt. Vielleicht 30 Meter entfernt. Sie wirkte im Nebel wie ein wandelndes Gespenst. Hedwig fing an zu rennen. Ihre Füße waren starr vor Kälte. Angst krallte sich in ihrer Kehle fest. Sie stolperte, rappelte sich hoch, schleppte sich weiter. Torkelte die letzten Meter, Seitenstiche nahmen ihr den Atem. Sie erreichte die Haustür. Der Bewegungsmelder tauchte die Treppenstufen in helles Licht. Aufschließen. Ihre Hand zitterte. Sie wühlte in der Manteltasche nach dem Schlüssel. Neben sich hörte sie ein leises Kichern. Sie schaute zur Seite. Das Kichern kam aus dem Kirschlorbeer. Nichts wie ins Haus. Die Polizei anrufen. Unsinn. Bloß weil einer kichert, kamen die nicht. Vielleicht amüsierte sich ein Pärchen. Aber bei der Kälte? Der Schlüssel fiel ihr aus der Hand. Metallisches Klirren auf den Steinfliesen. Wieder das Kichern. Zwei Punkte glühten durch die Nebelschleier. Eine Katze. Wahrscheinlich der Kater von Binglhubers nebenan. Verflixte Nerven. "Bimbo", rief sie und schüttelte die Anspannung von sich ab, sah sich um, von ihrem Verfolger keine Spur. Die Punkte lösten sich vom Busch. "Bimbo", rief sie den Punkten entgegen. Sie schwebten auf sie zu. Ja, es war Bimbo. Sie bückte sich, um ihn zu streicheln. Er wich ihrer Hand aus. "Willst lieber Mäuse fangen, gell?" Sie griff nach dem Schlüssel, stand auf und steckte ihn ins Schloss. Die Angst fiel von ihr ab. Sie öffnete die Haustür. Eine kräftige Brise zerfetzte die Nebeltücher. Bimbo knurrte und fauchte leise. Dann fing er an zu kichern.

So ein Quatsch. Katzen kichern nicht. Sie wollte ins Haus gehen. Ein krallender Schmerz im Rücken. Fauchen. Kichern. "Bimbo?" Sie stürzte zu Boden...

 

 

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  Stand: 27.05.2006